Groggy aber happy

Wie es in Krankenhäusern so üblich ist, wenn einmal ein Plan gemacht wurde wird dieser aus durchgezogen. In Anbetracht der der unglaublichen Menge an Patienten und dessen Bedürfnissen kein Wunder. Auf jeden Fall aber bewundernswert.

In den Aufenthalten, welche es in diesem Hause schon so einige gab, konnte ich nie behaupten mich wirklich unbehaglich zu fühlen… zumindest nicht Bezug auf das Pflegepersonal und die Ärzte.

Auf dieser Station, wo es ja ausschließlich um Knochenmarktransplantationen geht ist es allerdings noch einen Ticken besser. Der Umgang miteinander, ein fast durchwegs gut gelauntes Auftreten und den Wunsch einem „fast jeden Wunsch“ zu ermöglichen.
Der Job hier ist mit Sicherheit nicht der Einfachste und in Anbetracht der Schicksale und den damit zusammenhängenden Krisen öfters an der Grenze des Erträglichen.
Wie auch immer sie es hier schaffen ein solches Klima zu aufrecht zu erhalten… Respekt!

Wo wir wieder beim Plan wären. 8 Uhr Frühstück… kannste knicken.
Allerdings wurde ich dieses mal zwar vom Begleitdienst abgeholt, aber ich durfte/musste zu Fuß gehen. Das lag einfach daran, dass sämtliche Rollies der Station im Nirvana verschwunden waren.
Mir war es recht. Zu Fuß ist mir eh lieber. 😉

Kaum auf der Bestrahlungsliege in Position gegangen hab ich auch gleich noch ein gutes Nickerchen abgehalten. Einmal gestreckt und die Augen gerieben, wenden und weiter geht‘s mit dem Schläflichen.
Hätte mir das Jemand vor der ersten Behandlung gesagt, dass ich das so einfach wegstecke, ich hätte es Ihm wohl nicht geglaubt.

Zurück in meinem Domizil wartete auch „schon“ das Frühstück.
Mein Gedächtnis über Bestellungen vom Vortag ist nicht immer das Beste. So war die Freude besonders groß als ich den Deckel hob und Pfannkuchen erblickte und eine Schüssel Cornflakes als „Nachtisch! Vorfand. So kann der Tag beginnen.

Ich bekam dann noch unerwarteten Besuch von einer Brückenschwester.
Tja was ist jetzt eine Brückenschwester?
Meiner Meinung nach eine exzellente Einrichtung die sich nach einem Probedurchlauf durchgesetzt hat und mittlerweile etabliert ist.
Brückenschwestern sind im Prinzip Schwestern, welche auch auf der KMT Station als Schwestern tätig sind und somit mit der Materie und somit auch vielfach mit den Patienten gut vertraut sind.

In Rotation Wechseln Sie Ihr Tätigkeitsfeld von der Station zu einem eigenen Büro. Von hier aus werden Patienten, welche nicht mehr Stationär hier sind mit so ziemlich allem Versorgt.
Vor allem aber mit Rat darüber, wie es weiter geht und bestimmte Regeln im Eigenheim nach der Rückkehr, und das sind nicht wenige. Viele praktische Tipps, Material wie Atemmasken, spezielle Mundspülungen und immer ein offenes Ohr für Fragen und Probleme.
Das ist nicht nur unwahrscheinlich Hilfreich, sonder es gibt einem einen viel Sicherheit zurück, welche man im laufe der Behandlung verliert, wenn man daran denkt wie das alles funktionieren soll wenn man nicht mehr im Krankenhaus ist.
Nur weil man dann nicht mehr auf Station ist, ist die Behandlung ja noch nicht durchgestanden, man ist nur so stabil, dass man langsam wieder anfangen kann sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und eines Tags wieder ein „normals“ Leben führen kann.
Vorab hat Sie erst nochmal Vorabinfos zur Verfügung gestellt und natürlich darauf hingewiesen jeder Zeit mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen.
Top Service kann ich nur sagen. Eine absolute Bereicherung!

Jetzt aber weiter im Text.
Nach dem Besuch kam dann auch gleich noch der Professor vorbei und wollte nach dem Rechten sehen… nun er war zufrieden… was mich automatisch auch zufrieden macht. 🙂

Und schwupps war es auch schon wieder Mittag. Ohhh und es gab Pfannkuchensupppe (ein Schelm wer dabei an mein Frühstück denkt) uuuuuund Kaiserschmarn. Tja was will man mehr.
In meinem Fall war ich mehr als zufrieden. Nachdem sich dann auch noch zwei gute Freunde angekündigt hatten und ich mal was anderes gehört habe als Gesundheitsprognosen war das noch das i-Tüpfelchen.

Wer kennt das nicht… ein wenig Ratschen und schon ist auch schon die nächste Sitzung zur Bestrahlung angesagt. Dieses mal wieder mit Rolli.
Die Fahrt wo für mich unglaublich euphorisch geladen. Es war nicht nur irgendeine Sitzung, es war die Letzte. Kaum zu glauben, lange erwartet und dann… tja ich hab das ganze wieder einmal komplett verpennt. Ein etwas müder Abschied, aber so what. Vermissen werde ich es nicht!
Das liegt natürlich nicht an den wirklich sehr Netten Betreuern, Ärzten und anwesenden Physikern.
Die waren/und sind auf jeden Fall wirklich Top in fachlicher Sicht und vorm allem auch in Bezug auf die Menschlichkeit.

Wieder auf Station angekommen habe ich auch gleich noch ein neues Statusschild an meiner Tür vorgefunden, ich war sogar dabei als sie es aufgehängt haben.
Freude einerseits darüber, dass die Isolation aufgrund des Keims aufgehoben wurde.
Ernüchterung darüber, dass ich jetzt offiziell in der nächsten Sicherheitsstufe (von Grün zu Blau) angekommen bin.
Sobald die Bestrahlungen durch sind, darf ich offiziell nur noch das Zimmer unter Aufforderung verlassen. Tja… jetzt wird es noch ernster. Gut eine große Überraschung war es auch nicht wirklich und vor Allem ein weiterer Schritt nach Vorne.

Kurz vorm Abendessen kam dann nochmal die routinemäßige Untersuchung meines Gesundheitszustands und ich wog schon wieder zu viel. Damm it!
Also wieder eine Portion Lasix um mein Toleranzgewicht wieder zu erreichen.
Was natürlich damit einhergeht, dass mein Essen zeitweise mit Unterbrechungen mit auf dem Weg zum WC unterbrochen wurde.

Das habe ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen.
Gleich nach dem Essen riss ich mich aus der Lethargie raffte mich auf zu Trainieren.
Bei der Gelegenheit konnte ich auch gleich mal die Terabänder Strapazieren (wahrscheinlich war ich mehr strapaziert als jene) und danach noch eine Runde rauf aufs Rad.
Ha und siehe da, der zweiten Dosis Lasix bin ich auf diesem Weg entkommen!

Ich muss zugeben, darauf bin ich dann doch ein wenig stolz… Lust hatte ich auf die Aktion eigentlich keine. Den Schweinehund zu besiegen ist aber immer einen Versuch wert.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit diesem Tag.
Morgen ist dann mal eine kleine Pause, bevor es am Samstag wieder richtig zur Sache geht.
Aber dazu morgen mehr!

Müde bin ich, geh zur Ruh und mache meine Äuglein zu!

So long… Patrick