Radioaktivity

Die erste Nacht war natürlich nicht ganz so ruhig vom Schlaf her.
Nicht, dass hier ständig jemand ins Zimmer herein laufen würde, aber die Nebengeräusche einer neuen Umgebung können einem schon das ein oder andere Mal den Schlaf rauben.
So hört man ständig die Geräusche der Infusionsautomaten, die Klimaanlage und in meinem speziellen Fall, das Apnoe Gerät meines Zimmernachbar.
Zum Glück war ich müde genug, dass es mir letztendlich egal war.
Einzig der neu Angelegte ZVK hatte sich das ein oder andere Mal bemerkbar gemacht.

Bevor ich überhaupt Frühstücken konnte, kam direkt nach der morgendlichen Standardkontrolle (Blutabnahme, Blutdruck, Gewicht und Temperatur) schon die Mitteilung, dass ich bei der Bestrahlung antanzen soll.
Wobei Tanzen nicht ganz der Richtige Ausdruck ist.

  1. Mundschutz anziehen beim Zimmer verlassen.
  2. Blauen Ganzkörper Schutzmantel anziehen.
  3. Im Rollstuhl abgeholt an der Stationsgrenze auf den Patiententransportdienst warten.

Nach dem Prozedere wird die Station in Richtung Strahlentherapie durch die Schleuse verlassen. Die ist auch bloß einen Katzensprung entfernt.

Dort angekommen darf man sich dann erst einmal wieder von allen Schutzkleidern entledigen und in Unterwäche auf einer Liege Platznehmen, welche 10 cm über dem Boden ist.
In dem Raum wimmelt es nur so von Laserpasskreuzen in jeder nur erdenklichen Richtung.

Der erste Part der Behandlung findet auf dem Bau liegend statt. Zugegeben, nicht die bequemste Position, aber ich bin ja auch nicht auf Wellnesurlaub. Wobei das, mit einer Massage durchaus erträglich wäre.
Nach ca. 10 Minuten Feinjustage, vor allem der Position der Lunge per Röntgen (diese wird spezielle mit einer deutlich geringeren Dosis in einem eigenen Gang bestrahlt), geht es dann auch schon los.
Ein Gerät mit einem Achsdurchmesser von ca. 1,8m an dessen oberen Ende der Bestrahlungskopf ca 1,2 m aus der Wand ragt Fängt an zu rotieren. Ein schmaler unsichtbarer Streifen in Körperbreite, fängt an sich von Kopf bis Fuß, langsam und kontinuierlich acht mal hin und her zu bewegen.
Das ganze dauert dann ca. 20-30 Minuten und wird dann nochmal auf dem Rücken liegend wiederholt.
Ich muss zugeben, dass ich ein paar mal eingedöst bin. Absolut still Liegen, schummriges Licht und das Monotone Surren des riesigen Apparats sind nicht sonderlich unterhaltsam.

Dann geht es auch gleich wieder zurück. Also erst nach dem Isolierprozedere mit Maske, Schutzmantel, usw.

Zu meinem erstaunen geht es mir nach der Behandlung recht gut. Ein wenig schummrig ist mir, aber dass liegt hauptsächlich an den Beruhigungsmitteln, welche man aus Schutz vor Panikattacken bekommt, vorab verabreicht bekommt. Fühlt sich ein wenig so an wie nach 2 Bier. Locker beschwingt. So gesehen also eher positiv.

Zweites großes Highlight war für heute mein Umzug in ein Einzelzimmer. Platz für zwei und ich ganz allein mit eigenen Trainingsrad. Herrlich!
Das Einzelzimmer bekomme ich allerdings nicht, weil meine Versicherung das Bezahlen würde, sondern auf Grund der Tatsache, dass ich eine Bestrahlung erhalte. Das fördert des eh schon hohe Infektionsrisiko nochmal ein Stückchen mehr.
Nachteil ist, für eine Gewisse Zeit, dass ich das Zimmer nicht mehr verlassen darf. – Irgendwas ist ja immer.

Nicht lang nach dem Umzug ging es dann auch gleich zu Bestrahlung Nummer zwei. Hier hat sich natürlich nichts geändert. Einzig die Minibestrahlung der Lunge wurde vorab noch durchgeführt. Das dauert aber tatsächlich nur 5 Minuten.

Gut gestärkt durch einen echt guten Kaiserschmarn und eine Tomatensuppe hab ich mich auch gleich noch 25 Minuten auf mein Trainingsrad geschwungen.
Ich war erstaunt wie gut das ging.
Wenn das nach den nächsten 2 Tagen Bestrahlung immer noch so gut hinhaut bin ich mehr als zufrieden.

So long… Patrick

Hier noch ein paar Eindrücke von meinem neuen Domizil: